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Buchtipps - Politische Sachbücher

Die Rache der Juden, das Versagen der deutschen Justiz nach 1945 und das Märchen deutsch-jüdischer Versöhnung Der Untertitel gibt an, worum es in diesem Buch geht. Eine substanzielle und engagierte Kritik der herrschenden Erinnerungspolitik.

Während Deutschland kopfüber in die vierte Welle stolpert, während die nächste Regierung antritt, die „organisierte Unverantwortlichkeit“ zu verantworten und unvorbereitete Maßnahmen zu ergreifen, möge wer kann die Zeit daheim nutzen, um aufzuarbeiten, was bisher in der Corona-Pandemie geschah. 2020 begann eine in vieler Hinsicht beispiellose Krise. Wohl selten mussten global in so verdichteter Zeit so viele politische Entscheidungen getroffen werden.

Online-Veranstaltungen haben den Vorteil, dass man mit Leuten diskutieren kann, die tausende Kilometer entfernt sind. Außerdem braucht man, wenn man nicht gerade zu der Minderheit gehört, die im Homeoffice beschäftigt wird, wenigstens am Feierabend keine Angst vor Ansteckung zu haben. Trotzdem ist das nicht das Wahre. Kameras, Mikrofone und die Einblicke in fremde Wohnräume erzeugen Beklommenheit. Auch fehlen das gemeinsame Bier, der Schweiß- und Tabakdunst, das Geraschel und Geschnaube, das Drumherum, das so einer gesellschaftskritischen Zusammenkunft erst die Würze verleiht.

Alternativ heißt nicht gleich marginal. Über Gesundheits- und Ernährungslehren, psychotherapeutische und sozialarbeiterische Methoden, Coaching- und Management-Konzepte sickern Versatzstücke esoterischen Denkens ins Alltagsbewusstsein ein. Nicht jede, die Achtsamkeitsübungen praktiziert, auf ihr Inneres Kind hört und bei der Gymnastik die Energie fließen spürt, ist hartgesottene Esoterikerin. Und die allermeisten, die die Produkte anthroposophischer Unternehmen konsumieren, scheren sich wahrscheinlich nicht die Bohne um die Lehren Rudolf Steiners.

Die Klimakrise nimmt unübersehbar dramatische Ausmaße an. Die herrschenden Klassen reagieren unterdessen mit mehr vom selben: Mehr „Emissionshandel“, mehr „technische Lösungen“ (wie Wasserstoff als Energieträger), mehr leere Versprechungen. Durch höhere Verbraucherpreise soll der Kapitalismus ökologisch werden – diesmal wirklich, ganz ehrlich. Ist ein CO2-Preis das kleinere Übel? Muss in den westlichen Metropolen der Lebensstandard der unteren Klassen sinken, damit wir die Welt retten?

Anne Boyer hat aus ihrer Brustkrebserkrankung ein Buch gemacht, das eine Streitaxt ist. Sie reißt dem Brustkrebs die rosa Schleifchen ab, kritisiert die politische Onkologie und besteht darauf, dass, so persönlich und existentiell der Krebs ist, „über den Tode nachzudenken, heißt, über alle nachzudenken“. All die Überlebendengeschichten, die Trostliteratur und Ratgeber dröhnen über wesentliche Erfahrungen hinweg.

Als gegen Ende der ersten Pandemiewelle die Rufe nach einer „Rückkehr zur Normalität“ immer lauter wurden, fragten wir in einem Aushang unseres Buchladens: „welche Normalität?“ Auch für Georg Seeßlen hält eine Rückkehr zur Normalität eher Schrecken denn Erleichterung bereit angesichts eines Systems, in dem Menschen nicht als Menschen, sondern in erster Linie als Arbeitskräfte und Konsument*innen gelten, wie die Coronakrise verschärft zutage treten lässt. Hauptsache „die Wirtschaft“ wird gerettet (und Weihnachten).

In den Achtzigern hat man schlicht „Faschos“ gesagt, inzwischen ist von extrem Rechten und Rechtsextremen die Rede, von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, konformistischer Rebellion und völkischem Autoritarismus, von rechtspopulistisch oder zaghaft von rechtsoffen, reichlich reduziert von Rassist*innen oder nicht sehr geschichtsbewusst und doch irgendwie treffend von Nazis. In der Vielzahl von Bezeichnungen drückt sich eine gewisse Unsicherheit aus, mit was überhaupt man es zu tun hat.

Eine der ergiebigsten Faschismustheorien liefern die Forschungen der Kritischen Theorie zum autoritären Charakter. Angesichts der aktuellen Rebellion gegen simple Hygieneregeln wirken etwa die Studien von Leo Löwenthal verblüffend plausibel.* Die Reden faschistischer Agitatoren analysierte er als „umgekehrte Psychoanalyse“; faschistische Agitation zielt darauf, individuellen Querulantismus zu kollektivem Wahn zu steigern und das Realitätsprinzip außer Kraft zu setzen.

Der Evolutionsbiologe und Virologe Rob Wallace hat früh gemerkt, dass Mikroskope und Gen-Sequenzierung nur bedingt hilfreich sind, um die Frage zu beantworten, warum Epidemien wie Vogelgrippe, Ebola und SARS auftauchen. Warum entsteht ein neuer Erreger an einem bestimmten Ort, und wie verbreitet er sich?