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Paul Parin: Brennende Zeitprobleme. Psychoanalyse als Gesellschaftskritik und Kritik der Psychoanalyse. Schriften 1983–1991

Die Selbstgefährdungspotenziale der Menschheit könne man nicht unterschätzen, meinte Paul Parin. Das habe er schon als junger Mann gesehen und darum 1934 beschlossen, Chirurg zu werden – in Vorbereitung auf den nächsten kommenden Krieg. 1944/45 versorgten er und Goldy Parin-Matthéy dann in einem Lazarett der Partisanen in Slowenien unermüdlich Kriegsopfer.

Vierzig Jahre später blicken die Parins als erfahrene Psychoanalytiker*innen auf die politischen Entwicklungen in der Welt und in ihrem Fach. Die Artikel, Vorträge, Interviews und Buchbesprechungen aus den Jahren 1983–1991, welche der Band 10 der Paul Parin Werkausgabe versammelt, sind eine Fundgrube, und fast nichts ist verjährt von dem, was in den 1980ern aktueller Anlass war: Keine der Möglichkeiten der Weltvernichtung, gegen die Parin aufstand, hat sich erledigt, ebenso wenig Nationalismus, Rassismus und die „Ausschaffung“ von Geflüchteten.

Parin beschäftigten die sich ändernden Formen und Techniken sozialer Herrschaft. Dass er die Autonomie des Kollektivs, das die Schweizer WOZ herausbrachte, bedroht sah, als dieses den ersten Satzcomputer anschaffte, mag als Kritik ziemlich verkürzt und übertrieben erscheinen - von heute aus, was auch heißt: gemessen daran, wie abhängig wir mittlerweile von vorformatierter Medientechnik sind! Ausgereifter sind sicher Parins Beiträge zur „Psychoanalyse der Macht“, in denen es um die Psychoanalyse selbst geht, um ihre Geschichte, ihr Verhältnis zur Politik und ihre Rolle in der therapeutisierten Gesellschaft. So sah Parin in der zunehmenden „Verflüchtigung des Sexuellen“ aus der psychologischen Theorie eine folgenschwere Tendenz, die der Freud’schen Wissenschaft die Grundlage raube. Damit verschließe sich die Psychoanalyse gegen die konfliktuelle Natur der Psyche. In der Praxis mache sich die Psychoanalyse immer mehr zu einem Instrument sozialer Anpassung, anstatt die Individuen darin zu unterstützen, sich aus Zwängen des Gehorsams zu befreien.

Psychoanalyse als Gesellschaftskritik und Kritik der Psychoanalyse, Schriften 1983-1991, Paul Parin Werkausgabe 10
Einband: Paperback
EAN: 9783854768807
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Kategorie: Psychoanalyse