Buchtipps

Nach Adorno kann man auch mit den Ohren denken. In ihrem biografischen Essay betrachtet ihn Iris Dankemeyer also von der Seite mit Blick auf das Ohr „als Organ einer dialektisch vermittelten Erkenntnis, die unleiblichen Geist und leibhafte Sinnlichkeit nicht als getrennt voneinander denkt, sondern sie im Bewusstsein von Freiheit und Notwendigkeit…
Es hilft nicht, aus Verzweiflung über virale Verschwörungstheorien, Fake-Wissen und Wirklichkeitsverleugner*innen auf die Wissenschaft zu pochen. Denn die Wissenschaft ist keine „Fahne, unter der man sich versammeln könnte“, kein Goldstandard, keine harte Währung in politischen Auseinandersetzungen, und am allerwenigsten ist, was Wissenschaft ist…
In den 1990er Jahren kursierte es schon als heißer Tipp zum Thema Staatskritik, aber an das Buch war kaum ranzukommen: Staatsfeinde, Pierre Clastres Studien zur politischen Anthropologie, in Frankreich 1974 erstmals erschienen. Im Jahr 2020 ist das Werk von konstanz university press neu aufgelegt worden. Andreas Gehrlach und Morten Paul haben ein…
Viele Intellektuelle haben ziemlich schräge Vorstellungen von dem, was sie vermeintlich am besten tun: denken. Sie sehen sich gegenüber denen, die mit mehr Körpereinsatz arbeiten, auf der Gewinnerseite einer Ungleichung. Ihren gebildeten Geist betrachten sie als etwas, das untrennbar zu ihnen gehört, als ihren ureigenen Besitz. Körperliche Arbeit…
Mit 21 Jahren brach Martha Gellhorn ihr Studium ab und machte sich mit ihrer Schreibmaschine auf nach Paris, um Schriftstellerin zu werden. Berühmt wurde sie auch für ihre Zeitungsreportagen und Reiseberichte aus Kriegen, Krisengebieten und Gesellschaften im Umbruch. Gellhorn war nicht nur eine mutige Reporterin, ihre Berichte ragen heraus, weil…
Die feministische Kritik der Frauenhefte Die schwarze Botin bewegt sich auf hohem kulturanalytischen Niveau. Sie kritisiert die politische Vereinnahmung der Frau, sei es durch die Frauenbewegung oder die Linke. Sie polemisiert gegen den wiederkehrenden Kult gefühliger, sorgender, innerlicher Weiblichkeit, Müttermacht und Hexenesoterik. Erfahrung…
Sally Rooney erzählt die Liebesgeschichte zweier junger Menschen, die in der Oberstufe der Schule das erste Mal zueinander finden und, für sie selbst nicht ganz erklärlich, nicht mehr voneinander lassen können. Connell, Sohn einer Reinigungskraft, ist in der Schule der irischen Kleinstadt gut integriert und beliebt, während Marianne, aus einer…
Als gegen Ende der ersten Pandemiewelle die Rufe nach einer „Rückkehr zur Normalität“ immer lauter wurden, fragten wir in einem Aushang unseres Buchladens: „welche Normalität?“ Auch für Georg Seeßlen hält eine Rückkehr zur Normalität eher Schrecken denn Erleichterung bereit angesichts eines Systems, in dem Menschen nicht als Menschen, sondern in…
„Nüwa, die erste Göttin, irrte durch die stille Welt, und die Stille erfüllte ihren Leib mit Einsamkeit. Nahe einer Quelle fand sie gelbe Erde, sie nahm ein wenig davon in ihre Hände und begann eine Kreatur zu schaffen, die ihr ähnlich sah. Als sie diese Kreatur an die Quelle stellte, fing die Kreatur an zu lachen. Nüwa genoss den Klang dieses…
Always Coca-Cola ist die Geschichte dreier Freundinnen im Beirut der späten 1980er Jahre. Abir ist Studentin und lebt bei ihrer konservativen Familie. Wenn sie morgens ihr Spiegelbild betrachtet, prüft sie stets, ob es erste Anzeichen von Cellulite gibt. Im Spiegel reflektiert aber auch die Plakatwerbung von Coca-Cola an der Hauswand gegenüber.…

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